Mittelmeer
Das Mittelmeer (auch Europäisches Mittelmeer oder Mittelländisches Meer) (lateinisch Mare Mediterraneum) ist ein Mittelmeer (von Festland weitgehend umschlossenes Nebenmeer eines Ozeans[4]) zwischen Europa, Afrika und Asien. Das Calypsotief ist mit 5109 m ±1 m unter dem Meeresspiegel die tiefste Stelle des Mittelmeeres.
| Mittelmeer Mittelländisches Meer | |
|---|---|
| Ozean: | Atlantischer Ozean |
| Lage: | zwischen Nordafrika, Südeuropa und Vorderasien |
| Wichtige Zuflüsse: | Atlantik, Schwarzes Meer, Nil, Ebro, Tiber, Rhone, Cheliff, Po |
| Wichtige Inseln: | Sizilien, Sardinien, Zypern, Korsika, Kreta, Euböa, Mallorca, Lesbos, Rhodos, Korfu, Djerba, Malta |
| Wichtige Uferstädte: | Alexandria, Algier, Antalya, Athen, Barcelona, Beirut, Dubrovnik, Genua, Haifa, Marseille, Mersin, Neapel, Palermo, Split, Tel Aviv, Tripolis, Tunis, Valencia, Venedig |
| Daten | |
| Fläche: | 2.510.000 km²[1] |
| Volumen: | 4300000 km³[2] |
| Maximale Tiefe: | 5109 m[3] |
| Mittlere Tiefe: | 1700 m |



Das Europäische Mittelmeer ist über die 14 Kilometer breite Meerenge namens Straße von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden.[5] Daher kann das Europäische Mittelmeer als Nebenmeer des Atlantischen Ozeans oder als Binnenmeer aufgefasst werden. Die Straße von Gibraltar ist auf europäischer Seite vom spanischen Ort Tarifa und der und dem britischen Überseegebiet Gibraltar sowie auf afrikanischer Seite von Marokko und der spanischen Exklave Ceuta eingefasst. Im Römischen Reich wurde das Mittelmeer Mare Nostrum genannt.
Geschichte
Vor etwa 7,6 Millionen Jahren verengte sich der Durchgang zum Atlantik. Dadurch kam es zu starken Salzgehalts- und Temperaturschwankungen im Mittelmeer. Vor etwa sechs Millionen Jahren schloss sich durch Bewegungen im oberen Erdmantel diese Passage ganz. Ohne Zufluss vom Atlantik verdunstete das Wasser im Mittelmeer schließlich weitgehend. Der Zufluss aus Strömen wie dem Nil oder dem Ebro war viel zu gering, um das zwischen Afrika, Europa und Vorderasien liegende Becken gefüllt zu halten. Das Wasser des Mittelmeeres verdunstete weitgehend. Es bildete sich eine kilometerdicke Salzschicht. Gut zwei Drittel der damaligen Arten im Mittelmeer sind durch die sogenannte Messinische Salinitätskrise (MSC) ausgestorben. Vor etwa 5,33 Millionen Jahren strömte wieder der Atlantik in das Becken. Zunächst in das westliche Becken, später füllte sich auch der östliche Teil.[6]
Die ersten Spuren menschlichen Lebens in der Mittelmeer-Region sind rund 400.000 Jahre alt. Zu dieser Zeit lebten die Menschen dort noch als Nomaden. Erst vor 19.000 Jahren ließen sich die ersten Siedler in dem Gebiet des heutigen Ägyptens nieder. Diese Region war sehr fruchtbar, sodass die Siedler dort Getreide anbauen konnten. Diese frühen sesshaften Gruppen waren der Ausgangspunkt der ägyptischen Zivilisation, einer der ersten großen Zivilisationen des Mittelmeers. Historiker betrachten jedoch das das Volk der Sumerer als Ausgangspunkt der Hochkulturen des Mittelmeerraums. Diese lebten in Mesopotamien, einem Gebiet zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris im heutigen Irak und Syrien. Die Sumerer entwickelten um das 4. Jahrtausend vor Christus die Keilschrift. Niederschriften waren die Grundlage dafür, Wissen zu vermitteln und Ereignisse aufzuzeichnen. Im Laufe der Zeit bewegte die sumerische Schrift andere Mittelmeer-Völker dazu, eigene Schriftzeichen zu entwickeln. Weitere wichtige Fortschritte in der östlichen Mittelmeerregion war der Anbau von Hülsenfrüchten und Getreide sowie Viehzucht. Diese Formen der Landwirtschaft verbreiteten sich im ganzen Mittelmeerraum und waren entscheidend für die weitere Entwicklung der Region.[7]
Die Erfindung der Segelschiffe ermöglichten es, zu weiter entfernten Orten zu gelangen und Handel zu treiben. Dank des Austauschs von Waren begannen die verschiedenen Mittelmeervölker, miteinander in Kontakt zu treten, Wissen zu teilen und Gemeinsamkeiten zu entwickeln. Die Minoer auf der Insel Kreta im Jahr 2000 v. Chr. waren die erste Zivilisation, die im Mittelmeerraum das Segelschiff entwickelte. Die ersten großen Seefahrer des Mittelmeers waren jedoch die Phönizier, die die Küste der Levante (Länder am östlichen Mittelmeer) besiedelten. Das Gebiet entspricht dem heutigen Libanon, mit angrenzenden Teilen des heutigen Syriens und Israels. Die Phönizier fuhren vom Nahen Osten bis zur Iberischen Halbinsel, gründeten Häfen und legten Handelsrouten entlang der Küsten an. So verbanden sie das Mittelmeer von Osten nach Westen. Durch ihren Handel tauschten sie nicht nur Waren aus, sondern gaben auch ihr Alphabet an andere Mittelmeerkulturen weiter. Es ist der Vorfahre des griechischen Alphabets und damit aller westlichen Schriftsysteme. Im 4. Jahrhundert v. Chr eroberte Alexander der Große (356 v. Chr.–323 v. Chr.) das Gebiet der Phönizier. Er nahm auch Persien und Ägypten ein und schuf so ein Imperium. Durch sein plötzliches Ableben und ohne rechtmäßigen Erben spaltete sich sein Reich. Die Griechen errichteten wie die Phönizier Seewege und gründeten Stadtstaaten rund um das Mittelmeer, die sie Polis nannten. Die Polis erstreckten sich von den Küsten, die heute zu Spanien (Ampurien) und Frankreich (Marseille) gehören bis zu Gebieten der heutigen Türkei (Ionien). Durch die griechische Hellenisierung verbreiteten sich in vielen Gegenden auch ihre Lehren der Philosophie, Religion und Demokratie.[7]
Von 814 v. Chr. bis 146 v. Chr. bestand das Karthagisches Reich mit der ehemaligen Metropole Karthago als Zentrum der bedeutenden See- und Handelsmacht. Karthago lag in Nordafrika nahe dem heutigen Tunis in Tunesien. Das Karthagische Reich führte in der Antike drei Punische Kriege gegen das junge Römische Reich. Im dritten Punischen Krieg von 149 bis 146 v. Chr. besiegten die Römer das Karthagisches Reich endgültig. Die Römer verbreiteten fortan ihre Kultur und Religion in allen Ecken ihres Reiches. In ihrer Blütezeit stand die gesamte Mittelmeerküste unter ihrem Einfluss. Es ist das einzige Mal in der Geschichte des Meeres, dass alle seine Territorien unter einer Herrschaft standen. Das führte dazu, dass sich das Machtzentrum in der Region von den östlichen Küsten nach Westen verlagerte. Die lateinische Sprache der Römer ist die Wurzel vieler moderner Sprachen wie Italienisch, Spanisch und Französisch. Der polytheistische Glaube des Römischen Reiches wurde nach und nach von anderen Glaubensrichtungen ersetzt. Im 4. Jahrhundert bestimmte Konstantin der Große (um 280–337) das Christentum als offizielle Religion des Römischen Reiches. Im Laufe der Zeit etablierten sich im Mittelmeerraum die drei heute vorherrschenden monotheistischen Religionen: Christentum, Judentum und Islam. Mit dem Tod des letzten römischen Kaisers Romulus Augustulus (um 460–nach 476) ging das Weströmische Reich unter. In der Folge wurde der Mittelmeerraum nach langer Zeit wieder aufgeteilt.[7]
Der westliche Teil wurde von westgotischen und anderen germanischen Stämmen aus Nordeuropa besetzt. Im östlichen Mittelmeerraum bildete sich das Byzantinische Reich. Es ging aus der Reichsteilung von 395 hervor und existierte bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453. Ab dem 7. Jahrhundert übernahmen islamische Armeen die Kontrolle über den Osten und Nordafrika. Sie überquerten auch die Straße von Gibraltar auf die Iberische Halbinsel und errichteten verschiedene muslimische Reiche. Während des Mittelalters machten islamische Gelehrte große Fortschritte in Wissenschaft, Philosophie und Medizin. Ihr Zahlensystem gilt als einer der bedeutendsten Fortschritte. Sie beeinflussten die Region auch durch den Handel, indem sie nicht-heimische Pflanzen wie Reis oder Baumwolle einführten. Neue Navigationstechniken ermöglichten weite Reisen mit Segelschiffen. Das führte auch zu historischen Ereignissen wie 1492 die Eroberung Amerikas und Ende der 1490er Jahre der Umrundung des afrikanischen Kontinents. Infolgedessen wurden zahlreiche neue Handelsrouten eingerichtet. Mit der Eroberung Amerikas besetzten Länder wie Großbritannien, Portugal, Frankreich, Spanien und die Niederlande große Kolonialreiche, die vom Mittelmeer unabhängig waren. Der Zuwachs ihrer wirtschaftlicher Macht führte auch zu einem Anstieg ihres politischen Einflusses und das Mittelmeer verlor als Handelszentrum allmählich an Bedeutung. Um die Länder der Mittelmeerregion wieder zusammenzubringen bildeten sich mehrere Initiativen. Seit 1951 werden alle vier Jahre die Mittelmeerspiele durchgeführt. 2008 wurde die Union für den Mittelmeerraum (UfM) auf dem Pariser Mittelmeergipfel gegründet.[7] Darin sind alle EU-Länder sowie 16 Länder des südlichen und östlichen Mittelmeerraums vertreten.[8]
Literatur
- 2001: Das Mittelmeer, Band I, Allgemeiner Teil: Fauna, Flora, Ökologie, Herausgeber Robert Hofrichter, 608 Seiten, Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 978-3827410504
- 2003: Das Mittelmeer, Band II/1, Bestimmungsführer: Fauna, Flora, Ökologie, Herausgeber Robert Hofrichter, 859 Seiten, Spektrum Akademischer Verlag, ISBN 978-3827410900
- 2009: Das Mittelmeer: Eine stürmische Reise durch Zeiten und Kulturen, Autor Baltasar Porcel, Übersetzer Kirsten Brandt und Edgar Morin, 416 Seiten, Transit, ISBN 978-3887472375
- 2011: Mittelmeerraum: Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik, Horst G. Wagner, 229 Seiten, wbg Academic in Herder, 2. Auflage, ISBN 978-3534231799
- 2013: Das Mittelmeer: Eine Biographie, Autor David Abulafia, Übersetzer Michael Bischoff, 960 Seiten, S. FISCHER, 6. Auflage, ISBN 978-3100009043
- 2020: Das Mittelmeer: Geschichte und Zukunft eines ökologisch sensiblen Raums, Herausgeber Robert Hofrichter, 1271 Seiten, Springer, 2. Auflage, ISBN 978-3662589281
- 2021: Das unendliche Meer – Die große Weltgeschichte der Ozeane, Autor David Abulafia, Übersetzer Michael Bischoff und Laura Su Bischoff, 1168 Seiten, S. FISCHER, 2. Auflage, ISBN 978-3100024824
Weblinks
- eckart-winkler.de | Die größten Mittelmeer-Inseln
- Ruhr University Bochum | ZMS | Centre for Mediterranean Studies
- Mediterranean Sea - Oceans and fisheries - European Commission
- CIESM | Mediterranean Science Commission
- Mediterranean Sea in der Encyclopædia Britannica (Englisch)
- Mittelmeer in Wikivoyage
- Mittelmeer bei Wikimedia Commons
Quellen
- ↑ Mediterranean Sea summary | Britannica
- ↑ Soils in the Mediterranean region: what makes them different? - ScienceDirect
- ↑ Press Release | Phase II of Caladan Oceanic’s 2020 Expedition Programme | Caladan Oceanic (abgerufen am 21. Oktober 2026)
- ↑ Spektrum.de | Mittelmeere - Lexikon der Geographie
- ↑ Meerengen - Die Straße von Gibraltar, Tor zum Mittelmeer - Die ganze Doku | ARTE
- ↑ Geologie: Von der Entstehung des Mittelmeers - [GEO]
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 Mittelmeer: Geschichte - Meer - Natur - Planet Wissen
- ↑ Union for the Mediterranean Member States - UfM (abgerufen am 13. Oktober 2026)
