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Chronik des Fahrrads

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Chronik des Fahrrads

19. Jahrhundert

  • (NICHT 15. Jh.: Die angebliche Fahrradzeichnung des italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci (1452–1519) ist eine Fälschung)
  • (NICHT 1790/1791: Es kursieren noch heute Meldungen zu einem Graf de Sivrac, der ein „Célérifère“ -Laufrad besaß, das nur geradeaus fuhr, auch dieses gab es nicht, es ist eine über 100 Jahre alte Zeitungsente des französischen Journalisten Louis Baudry de Saunier (1865–1938).)[1][2][3]
  • 1817: Der deutsche Forstbeamte und Erfinder Karl Drais (1785–1851) erfindet ein ungefedertes lenkbares Holzlaufrad namens "Loda", es wird heute als "Draisine" bezeichnet.
  • 1818: "Veloziped": Der englische Erfinder Dennis Johnson (ca. 1760–1833) verbessert das Laufrad und produziert es in England in Serie, es wird scherzhaft "Hobby-horse", "Dandy-horse" und "Swift walker" genannt. Der Name Veloziped wird im 19. Jahrhundert für fast alle Fahrräder, v. a. auf die nach 1860 mit Tretkurbel, benutzt.[4]
  • 1821: Der Engländer Lewis Gompertz (ca. 1783–1861) entwickelt ein Rad mit Handkurbelantrieb, was aber unbekannt bleibt.[5]
  • (1839: Der Schotte Kirkpatrick Macmillan (1812–1878) baut ein Holzfahrrad, aber keinen Tretkurbelantrieb, wie oft fälschlich in der englischen Literatur angegeben wird.)
  • 1845: Der Schotte Robert William Thomson (1822–1873) erfindet den Fahrradschlauch aus Tierdärmen, der seiner Zeit aber zu weit voraus ist und floppt (fälschlich wird oft William Dunlop als Erfinder angegeben, der den Schlauch 40 Jahre später populär machte).
  • 1861/1862: Der französische Kutschenschmied Pierre Michaux (1813–1883), der Erfinder des Proto-Motorrads "Michaux-Perreaux Dampfrad", erfindet höchstwahrscheinlich die "Tretkurbel" (laut einer Mindermeinung war es sein Mitarbeiter Pierre Lallement (ca. 1843–1891), die durch die Pariser Weltausstellung 1867 bekannt gewordenen ungefederten Räder aus Eisen, bei denen die Kurbel ohne Kette das Vorderrad antreibt, nennt man wegen der ruckeligen Fahrt "Boneshaker".[6]
  • (wahrscheinlich Nachbau von 1869: Der international unbekannte Franke Philipp Moritz Fischer (1812–1890) wird in Schweinfurt noch heute als Erfinder der Kurbel dargestellt, er hat sie wahrscheinlich in Frankreich gesehen.[7][8]
  • 1869: "Stangenveloziped" des schottischen Stellmachers und Erfinders Thomas McCall (1834–1904)
  • 1869: Der Franzose Albert Berruyer erfindet den Fahrradständer. Er setzt sich zunächst nicht durch und wird mehrmals neu erfunden, erst ab den 1940ern haben fast alle Räder Fahrradständer.[9],
  • ca. 1870: "Hochrad": Der englische Erfinder und Fabrikant James Starley (1830–1881) baut das erste bekannte Hochrad "Ariel" mit Drahtspeichen. Es ist gefährlich, v. a. wenn man nach vorne kippt, aber ungefedert angenehmer zu fahren als kleine Räder.[10]
  • 1879: Harry John Lawson (1852–1925), England, baut erstmals ein Niederrad mit Fahrradkette, die "Bicyclette", er muss aber Konkurs anmelden.[11]
  • 1880er: Fahrradrikschas kommen allmählich in Asien auf; sie werden 1929 v. a. in Singapur populär, in den 60ern auch in Ostafrika.
  • 1880: Der italienische Turnlehrer Giovanni Battista Scuri baut ein Einrad, es hat noch einen Lenker, er ist auch wahrscheinlich nicht der erste.[12] Ab 1900 werden sie allmählich beim Zirkus beliebt.
  • 1884: Reinhardt und Max Mannesmann ein Verfahren zur Herstellung stabiler nahtloser Stahlrohre, was die Fahrräder viel leichter macht.[13]
  • 1885: "Sicherheitsniederrad": Der englischer Konstrukteur John Kemp Starley (1854–1901), Neffe des Hochradfabrikanten, siehe 1870, führt viele kleine Verbesserungen ein, um das Rad sicherer zu machen, z. B. den heute noch gebräuchlichen, nach seiner Form benannten Diamantrahmen mit Oberrohr ("Rover Safety Bicycle"). Die Wiederentdeckung des Gummireifens durch Dunlop 1888 sorgt für den Siegeszug dieser Bauweise und das Verschwinden des Hochrads.[14]
  • 1890er: Erste Fahrräder mit Elektrohilfsmotor (siehe auch "Pedelec" 1990).
  • 1890er: Das Militär entwickelt Klappräder, Radfahrkompanien werden angedacht.[15]
  • 1890: "Tall bike": Als Spielzeuge werden bis heute hohe Aufbauten auf gleich hohe Räder gesetzt. Es gibt heute auch den Sport "Tall bike jousting", bei dem man wie bei einem Ritterturnier einander umschmeißen soll.[16]
  • 1893: Liegerad mit Lehne
  • 1898: Tandem des Dänen Mikael Pedersen (1855–1929)

20. Jahrhundert

  • 1905: Der französische Herausgeber Paul de Vivie [Po:l dö vi'vi:] (1853–1930) erfindet die allererste "Kettenschaltung", die sich aber erst mit Verzögerung nach den technischen Verbesserungen der Gebrüder Nieddu in den 30er Jahren durchsetzt.
  • 1920: "Velomobil": Der französische Konstrukteur Charles Mochet (1880–1934) baut eine Verkleidung ums Rad
  • 1930er: "Tretlagerschaltung", heute selten
  • 1930: Der italienischer Radsportler Tullio Campagnolo [kampan'yo:lo] (1901–1983) erfindet die "Schnellspannnabe" für das Hinterrad
  • 1933: Der britische Unternehmer und Erfinder Percy Shaw (1890–1976) erfindet das "Katzenauge"
  • 1934: Das "Nebeneinandem" (Seitentandem, Buddy Bike), bei dem man nebeneinander statt hintereinander sitzt, wird erfunden, bleibt aber eine Randerscheinung.
  • 1937: Erfindung des "Ruderrads", das u. a. mit Händen angetrieben wird. Es bleibt eine Spielerei.
  • 1950: In Tianjin beginnt in der von einem Japaner in den 1930er Jahren gegründeten Radfabrik die Produktion der Marke Flying Pigeon ("Fliegenden Taube"), die mit Abstand meistverkaufte Fahrzeugmarke (mehrere Modelle) der Geschichte, die noch in den 80ern mehrere Millionen pro Jahr absetzt, mittlerweile aber in China "out" ist. Nicht alle der ca. 500 Mio. Fahrräder Chinas unter den Kommunisten sind von dieser Marke, das wird von der Presse zuweilen nicht sauber dargestellt.[17]
  • 1960er: Das "Bonanzarad" (wheelie bike, high-riser, banana bike) kommt auf den Markt. Die optional sehr hohen Lenker nennt man "Ape hanger"
  • 1960er: In Ostafrika kommen Fahradrikschas auf, die dort "Boda Boda"/"Bodaboda" genannt werden (vgl. 1880er)
  • 1964: Die Sachverständigenorganisation für Reifen und Felgen "ETRTO" (European Tyre and Rim Technical Organisation) wird gegründet, um dem Chaos in diesem Bereich etwas Einhalt zu gebieten.
  • 1970er: "Dekochari" (decoration charinko) modisch extrem aufgepeppte Räder aus Japan
  • 1970er: In Kalifornien wird das vom Motocross inspirierte "BMX"-Rad (Bicycle Motocross) erfunden.
  • 1980er: Erste "Indexschaltungen"
  • 1981: "Mountainbikes" werden in den USA entwickelt. Extra für sie auch gibt es spezielle Federgabeln, V-Bremsen
  • ca. 1984: Der "Triathlonlenker" (Aerobars) kommt auf den Markt.[18]
  • 1987: Das federlose "Fatbike" mit Riesenreifen wird für Schnee und Eis sowie besonders schweres Gelände entwickelt, mit dem selbst Mountainbikes Probleme haben; erst ab 2005 wird es in Serie produziert.[19]
  • 1989: "ConferenceBike" für 7 Personen[20]
  • 1990: "Pedelec" (1999 entstandener Begriff aus Pedal Electric Cycle) ist ein Elektrofahrrad, bei dem der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt wird, wenn er in die Pedale tritt.
  • 1991: Gründung der "Eurobike" in Friedrichshafen, der heute größten europäischen Fahrradmesse. (Die größte nordamerikanische Branchenmesse "Interbike" findet seit 1982 normalerweise in Las Vegas statt, die asiatische Leitmesse ist die "Taipei Cycle Show")
  • 1999: Schlauchlose Reifen

21. Jahrhundert

  • 2003: In St. Louis, Missouri, Vereinigte Staaten wird das erste weiß gestrichene "Ghost Bike" als Mahnmal für im Straßenverkehr verunglückte Radfahrer am Unglücksort aufgestellt

Weblinks

Quellen