Breslau
| Breslau Wrocław | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Staat: | Polen |
| Woiwodschaft: | Niederschlesien |
| Powiat: | Kreisfreie Stadt |
| Fläche: | 293,00 km2 |
| Einwohner: | 673,743 (2023)[1] |
| Postleitzahl: | 50-041 bis 54-612 |
| Telefonvorwahl: | (+48) 71 |
| Kfz-Kennzeichen: | DW |
| Webpräsenz: | wroclaw.pl |

Breslau (polnisch Wrocław, schlesisch Brassel, tschechisch Vratislav, lateinisch Vratislavia oder Wratislawia) ist eine polnische Großstadt an der Oder und die größte Stadt in der Region Schlesien. Sie mit über 670.000 Einwohnern nach Warschau und Krakau die drittgrößte Stadt Polens[1] und fungiert als Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien.
Etymologie
Der Stadtname leitet sich vermutlich vom Eigennamen des böhmischen Herzogs Vratislav I. (um 888–921) als Stadtgründer Breslaus ab, der im frühen 10. Jahrhundert zeitweilig über die Stadt herrschte.[2] Der deutsche Ortsname „Breslau“ ist aus dem Slawischen hervorgegangen.
Geographie
Breslau liegt in der polnischen Region Schlesien, also im Südwesten Polens, bei der Mündung der Ohle in die Oder.[3] Naheliegende größere Städte sind Liegnitz (ca. 60 km entfernt) und Oppeln (ca. 80 km entfernt). Die Grenze zu Tschechien ist nur 70 km entfernt, die Hauptstadt Warschau liegt von Breslau 300 km entfernt.
Geschichte
Breslau (ursprünglich Wratislaw) war bereits im frühen 11. Jahrhundert als Stadt bekannt, verfügte über einen Bischofssitz und gehörte zum Königreich Böhmen. Nach dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert zogen viele deutsche Kolonisten in das Gebiet, 1261 erhielt Breslau das Magdeburger Stadtrecht. Ab 1526 gehörte Breslau zu Österreich bzw. zur Habsburg-Monarchie. Die Reformation im frühen 16. Jahrhundert war in Breslau sehr erfolgreich und die meisten Bewohner bekannten sich zum Protestantismus. Ab 1741 war Breslau unter der Herrschaft vom Königreich Preußen. 1811 wurde die Universität Breslau gegründet. Jahrzehnte später, 1842, eröffnete man eine Eisenbahnstrecke von Breslau nach Ohlau, die erste im Gebiet. Damit gewann Breslau immer größere Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt. Von 1877 bis 1910 wurde in der Stadt eine Pferdestraßenbahn betrieben.[4][3]
Im Ersten Weltkrieg war Breslau zwar nicht direkt an der Front und wurde somit nicht beschädigt, allerdings litt die Bevölkerung wirtschaftlich am Krieg. Nach dem Ende des Krieges war Breslau eine bedeutende Stadt in der Weimarer Republik und die Stadtgrenzen wurden erweitert. Ab 1933 herrschten die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler (1889–1945) über Deutschland und investierten in die lokale Industrie und Infrastruktur. Gleichzeitig wurden aber auch Personengruppen wie Juden und politische Gegner verfolgt. Während die Stadt für die meiste Zeit des Zweiten Weltkriegs unversehrt blieb, marschierte im Februar 1945 die Rote Armee der Sowjetunion in die Region ein und die Belagerung von Breslau begann, die bis zum Ende des Krieges im Mai andauerte.[4]
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Deutschland viele Gebiete, darunter auch ganz Schlesien, und die deutsche Bevölkerung wurde aus Breslau vertrieben und durch Polen ersetzt. Bereits im Herbst 1945 erholte sich die Stadt vom Krieg und Einrichtungen wie die Schulen öffneten wieder. Ab 1948 war Polen ein de facto Marionettenstaat der Sowjetunion und Breslau entwickelte sich in den 1960er Jahren zu einem bedeutenden Kulturzentrum im Ostblock. Im Juni 1983 wurde die Stadt von Papst Johannes Paul II. (1920–2005) besucht. Um 1990 endete der Kommunismus in Polen.[4]
Stadtgliederung
Breslau gliedert sich in fünf Stadtbezirke:

| Stadtbezirk | Ausdehnung |
|---|---|
| Stare Miasto (Altstadt) | Altstadt mit Nicolai- und Schweidnitzer Vorstadt |
| Śródmieście (Innenstadt) | Innenstadt rechts der Oder mit Dominsel und Elbing |
| Psie Pole (Hundsfeld) | alle Vororte nördlich der (neuen) Oder |
| Krzyki (Krietern) | Innenstadt und Vororte südlich der alten Oder und Altstadt |
| Fabryczna (Fabrikviertel) | Mischgebiete, Außenbezirke und Vororte im Westen, links der Oder |
Kultur
Breslau war 2012 einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft. 2016 war Breslau Kulturhauptstadt Europas und Verleihungsort des 29. Europäischen Filmpreises.[5] Aufgrund ihrer zwölf Inseln und mehr als 100 Brücken wird Breslau auch Brückenstadt genannt.[6]
Literatur
- 1994: Das Breslau-Lexikon, Gerhard Scheuermann, 2 Bände, Laumann, ISBN 978-3874661577
- 2002: Die Blume Europas. Breslau - Wroclaw - Vratislava. Die Geschichte einer mitteleuropäischen Stadt, Norman Davies und Norman Davies, 702 Seiten, Droemer Knaur, ISBN 978-3426272596
- 2011: Die Medialisierung der Stadt: Analoge und digitale Stadtführer zur Stadt Breslau nach 1945, Piotr Kuroczynski, 328 Seiten, transcript Verlag, ISBN 978-3837618051
- 2015: Breslau - Geschichte einer europäischen Metropole, Eduard Mühle, 387 Seiten, Böhlau, ISBN 978-3-412-50137-2
- 2016: Einst und Jetzt - Breslau/Wrocław, Dietrich Schröder, 96 Seiten, Verlag für Berlin-Brandenburg, ISBN 978-3945256480
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Breslau (deutsch)
- Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa - Breslau/Wrocław
- Wrocław bei Wikimedia Commons

- Breslau in Wikivoyage

Quellen
- ↑ 1,0 1,1 citypopulation.de | Größere Städte in Polen
- ↑ Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa - Breslau/Wrocław
- ↑ 3,0 3,1 Eintrag zu Breslau in Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905)
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Geschichte von Breslau
- ↑ European Film Awards | European Film Awards with Cinema Stars from Across Europe, 06.12.2016
- ↑ Breslau: Die Stadt der 100 Brücken im Land der tiefen Gräben « DiePresse.com, 22.01.2016
- Breslau
- Gmina in der Woiwodschaft Niederschlesien
- Ort in Schlesien
- Hauptstadt einer Woiwodschaft
- Hansestadt
- Ort der Woiwodschaft Niederschlesien
- Ort an der Oder
- Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden
- Stadtrechtsverleihung 1261
- Hochschul- oder Universitätsstadt in Polen
- Deutscher Ortsname slawischer Herkunft