Zur heißen Ecke

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Zur heißen Ecke war ein Imbiss an der Ecke Hein-Hoyer-Straße/Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli. Er galt lange Zeit als "bekanntester Imbiss Hamburgs".[1] Nach ihm ist das Musical Heiße Ecke - Das St. Pauli Musical, das seit 2003 im Schmidt's Tivoli gegenüber am Spielbudenplatz gespielt wird, benannt. Zudem machte die geplante Neubebauung des Grundstücks Schlagzeilen.

Geschichte

Der Imbiss in einem einstöckigen Flachbau, ein in der durch den Krieg existierenden Baulücke errichteter Behelfsbau, der Anne und Gunter Lienau gehörte und in dem die Kunden von Serviererin Ella Mehrhoff bedient wurden, war seit 1965 eine vielfrequentierte Anlaufstelle für Besucher auf dem Hamburger Kiez. Auch der Schlagersänger Roy Black (1943–1991) zählte zu den Gästen. Das Grundstück wurde 1991 von der städtischen Sprinkenhof AG für 1,85 Millionen Mark an den Hamburger Immobilienkaufmann Norbert Blohm verkauft.[1] Dieser wollte am "teuersten Platz Hamburgs" mit einem Quadratmeterpreis von etwa 10.000 Mark ein gläsernes Bürohaus mit Filiale von Pizza Hut im Erdgeschoss und Restaurant unter dem Dach errichten lassen.[2] Ende 1992 geschlossen, wurde das alte Gebäude der "heißen Ecke" im Juli 1994 abgerissen.[3] Lienau blieb noch ein zweiter Laden, das "Expreß-Bufett" an der Großen Freiheit 21.

Zum Bau kam es nicht, Blohm ließ die Frist der Baugenehmigung verstreichen, und das 196 Quadratmeter große Grundstück stand leer und tut dies bis heute. 1997 errichtete der zwischenzeitliche Pächter Jürgen Klaffehn als "Heiße Kiste" vorübergehend einen neuen Imbiss in einem Wagen, so lange bis die Stadt eine geänderte Planung vorlegte.[4] 1998 erwarb Kiezgröße Burim Osmani (* 1964), der später wegen organisierter Kriminalität Schlagzeilen machte, das nun mit zwei Millionen Mark taxierte Grundstück und verfolgte Pläne zur Errichtung eines Geschäftshauses.[5] Baubeginn sollte 1999 sein. Osmani wollte zunächst Nachbargrundstücke dazukaufen, der Bezirk machte mit einem "Baugebot" Druck, um einen Neubau zu erreichen. Auch waren die Planungen Osmanis für den sogenannten "Osmani-Tower" dem Amt zu massiv und galten als "nicht genehmigungsfähig".[6][7]

Osmani baute nicht, das Ordnungsamt klagte wegen 25.000 Euro Vertragsstrafe. Zudem kam es zu Verwicklungen des damaligen Bausenators Mario Mettbach (1952–2021/2022) der Partei Rechtsstaatlicher Offensive (Schill-Partei), der sich für eine andere Nutzung der "Heißen Ecke" einsetzte. Wegen dieser Kontakte zu Osmani wurde Mettbach ein Beratervertrag für ein städtisches Unternehmen durch den CDU-Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (1940–2017) gekündigt.[8] Es entwickelte sich die "Osmani-Mettbach-Affäre", während deren parlamentarischer und gerichtlicher Aufarbeitung das Grundstück weiter leerstand.[9] 2008 gab es Pläne einer Investorengruppe ("bit-Group") für ein Hotel. Im Februar 2011 wurde Osmani wegen Beihilfe zur Untreue und Betrug zu fünf Jahren Haft verurteilt. Etwa zeitgleich verkündete Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) die Neubebauung des Grundstücks für acht Millionen Euro mit einem Hotel mit großer Videoleinwand und Imbiss im Erdgeschoss durch einen österreichischen Investor. Doch der Verkauf platzte zum wiederholten Mal.[10] 2013 gab es Berichte, die Hotelkette Motel One plane einen Hotelneubau, der aber von der Grünen-Fraktion im Bezirk abgelehnt werde.[11]

Quellen