Chronik des Fernsehens (Technik)

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Chronik des Fernsehens

Mechanisches Fernsehen

  • ca. 1880: Der Franzose Constantin Senlecq (1842-1934) formuliert die Idee der seriellen Bildübertragung.[1] Auch George R. Carey (1851-unbekannt), ein amerikanischer Pionier, macht sich öffentlich zu dieser Zeit theoretische Gedanken über ein neues Medium.
Paul Nipkow in den 1880er Jahren
  • 1884: "Mechanisches Fernsehen": Der deutsche Techniker und Erfinder Paul Nipkow (1860-1940) lässt ein »elektrisches Teleskop«, das Bilder mittels einer rotierenden, gelochten Scheibe ("Nipkow-Scheibe") in Hell-dunkel-Signale zerlegen und wieder zusammensetzen kann, patentieren. Seine Spirallochscheibe mit Selenzelle und Lichtrelais wird aber damals nicht gebaut und das Patent verfällt.
Ferdinand Braun, 1909
  • 1897: Der deutsche Physiker und Elektrotechniker (Karl) Ferdinand Braun (1850-1918) erfindet eine elektronische Röhre
  • 1906: Brauns Mitarbeiter Max Dieckmann (1882-1960), bis heute international völlig unbekannt, meldet ein Patent „Zweischlittenapparat“ zur Fernsehübertragung mit der Braunschen Röhre an, als sich Braun darübert verärgert zeigt, lässt er es aber verfallen.[2][3] 1925 arbeitet er an elektronischer Übertragung, laut ZEIT die erste der Welt.[4]
  • 1907: Der Russe Boris Rosing (1869-1933) kombiniert die Braunsche Röhre im Empfänger mit einer Nipkowscheibe und überträgt verschwommene mechanische Bilder, er erhält in mehreren Staaten Patente.[5]
  • 1908: Der Schotte Alan Archibald Campbell-Swinton (1863-1930) experimentiert mit elektronischen Übertragungsmethoden. In einem mit "Distant Electric Vision" überschriebenen Leserbrief an "Nature" beschreibt er seine Ideen zur Lösung des Problems elektronischer Übertragung.[6]
  • 1923: Der russische Immigrant Vladimir Kosma Zworykin (1888-1982), ein Student Rosings, lässt in den USA seinen innovativen elektronischen Bildabtaster "Ikonoskop" patentieren, nach seiner Serienfertigung ist die Nipkowscheibe obsolet.[7]

Elektronisches Fernsehen

  • Dezember 1926: Dem Japaner Kenjiro Takayanagi (1899-1990) gelingt die wohl erste elektronische Bildübertragung eines Standbilds (Max Dieckmann ist 1925 ein anderer Kandidat dafür, s.o.), er bleibt aber international unbekannt.[8][9]
  • 1927: Der 21-jährige Philo Farnsworth (1906-1971) aus Utah überträgt das erste vollelektronische Bild der USA, ein Jahr später führt er es der Presse vor, das übertragene Bild ist ein $-Zeichen. Farnsworth wird im englischen Sprachraum in aller Regel als Erfinder des Fernsehens betrachtet und inspirierte u.a. eine Figur in der Serie "Futurama".
  • 1928: Der Schotte John Logie Baird (1888-1946) entwickelt das mechanische Fernsehen weiter, er sendet ein Bild von London nach New York und überträgt farbige Bilder (gilt aber wegen der schlechten Qualität nicht als Erfinder des Farbfernsehens, siehe 1940). Er verkauft sich geschickt, richtet das erste Fernsehstudio ein und sorgt für großes Interesse am neuen Medium. In Großbritannien gilt er als Erfinder des Fernsehens. [10]
  • 1928: Der Ungar Kálmán Tihanyi (1897-1947) lässt das "Radioskop", das erste europäische vollelektronische Fernsehsystem, patentieren.[11]
  • 1929: Zworykin entwickelt eine neuartige Röhre namens "Kineskop"
  • 1931: Das Unternehmen RCA, bei dem Zworykin mittlerweile arbeitet, will Farnsworth seine Patente abkaufen, als der sich weigert, wird er mit Klagen überzogen, die die angebliche Priorität Zworykins behaupten, nach Jahren gewinnt Farnsworth.
Manfred von Ardenne, 1933
  • 1931: Der deutsche Naturwissenschaftler Manfred von Ardenne (1907–1997) demonstriert mit 24 Jahren vollelektronisches, von Radiowellen übertragenes Fernsehen öffentlich in Europa. 1930 war ihm dies im Labor gelungen, was in Deutschland oft als "erste elektronische Übertragung" dargestellt wird, möglicherweise waren es die ersten Bewegtbilder.[12]
  • 1933: Edwin Armstrong (1890–1954) erfindet die Frequenzmodulation. [13]
  • 22. März 1935: In Berlin startet das erste öffentliche, regelmäßige Fernsehprogramm in 15 von der Post eingerichteten »öffentlichen Fernsehstellen« mit jeweils Platz für 70 Personen. 1936 gibt es die erste Olympiaübertragung.
  • 1940: Der gebürtige Ungar Peter Carl Goldmark (1906-1977) erfindet in den USA für CBS das farbige "Field-sequential color system", dieses System setzt sich hauptsächlich wegen mangelnder Kompatibilität nicht durch, er gilt aber meist als "Erfinder des Farbfernsehens".[14][15]
  • 1950: "Zenith" entwickelt die Fernbedienung "Lazy Bones" mit Kabel, sie ist kein Erfolg.

Analoges Farbfernsehen

  • 1953: NTSC wird bis ins 21. Jahrhundert Übertragungsstandard in Amerika, in ihm werden regelmäßig Sendungen in Farbe ausgestrahlt.
  • 1955 + 1956: Die Firma Zenith stellt die ersten kabellosen Fernbedienungen her. Eugene Polley (1915–2012) erfindet die unausgereifte mit Licht arbeitende "Flash-Matic", ihre Empfangszelle unterscheidet nicht Signale der Bedienung von Licht anderer Quellen und floppt. Der gebürtige Österreicher Robert Adler (1913–2007), ein Holocaustflüchtling, erfindet die erfolgreichere "Zenith Space Command" auf Ultraschallbasis.
  • 1960: Erster Split Screen bei der US-Präsidentschaftsdebatte
  • 1961: Die Franzosen stellen das seit 1956 entwickelte analoge SECAM vor.
  • 1962: Der Deutsche Walter Bruch (1908-1990) erhält ein "PAL"-Patent (Phase Alternating Line), ein Farbübertragungsverfahren, und wird von seinem Arbeitgeber "Telefunken" zum genialen Erfinder stilisiert.[16] Die Bedeutung seines Patents ist aber umstritten.[17][18]
  • 1962: "Telstar 1 " von AT&T ist der erste Test-Fernsehsatellit, ist aber nicht geostationär, das ist erst 1965 der Intelsat I F1 („Early Bird“).
  • 1967: Farbfernsehen wird auch in Europa Standard. Mit einem symbolischen Druck auf einen roten Knopf "startet" Willi Brandt PAL in Deutschland, die Techniker haben aber schon Sekunden vorher umgestellt, somit wird klar, dass es sich um eine Attrappe gehandelt hat.[19]
  • 1976: Betamax
  • 1980: Die kanadische Infrarotfernbedienung "Viewstar" wird von Phillips gekauft und setzt sich schnell durch.

Digitalzeitalter

  • 1988: Gründung der "Moving Picture Experts Group" (MPEG), die digitale Standards erarbeitet.[20]
  • 1996: HDTV (High Definition Television) ist ein neuer Sammelbegriff für hochauflösendes Fernsehen, es gibt es als Full HD (1080p) oder 720p, die Zahlen stehen für vertikale Auflösung. Das p steht für progressive Bildübertragung, der Buchstabe i (z.B in 1080i) für Zeilensprungverfahren (interlace). "HD ready" ist ein Label des Verbands "Digitaleurope" für Fernseher, die über diese Technologie verfügen, in der Praxis ist damit aber meistens nur 720p gemeint. Viele Sender in Deutschland bieten bisher HD ebenfalls nur auf 720p-Basis an und nicht als FullHD.
  • 1997: Der Standard für das europäische digitale terrestrische Fernsehen heißt DVB-T („Digital Video Broadcasting – Terrestrial“)
  • 2007: Die öffentlich-rechtlichen Sender wechseln von 4:3 auf 16:9 Format, die großen Privatsender ziehen 2008 nach.
  • 2009: Der seit den 90ern entwickelte digitale Standard "Advanced Television Systems Committee" (ATSC) ersetzt in den USA das analoge NTSC
  • 2009: Der große Erfolg des 3D Kinofilms Avatar löst einen Hype um 3D Fernseher aus, der aber schnell abflaut. [21]
  • 2012: UHDtv (Ultra High Definition) wird von der Internationalen Fernmeldeunion als neuer digitaler Standard vorgeschlagen. Es umfasst die beiden UHD-Bildauflösungen 3840 × 2160 Pixeln (kurz "4k") und 7680 × 4320 Pixeln ("8k"). Stand 2014 gibt es aber noch kaum produzierte Inhalte.[22], BluRay Discs können -noch- kein 4k, es ist für Ende 2015 angekündigt.[23] [24]

Weblinks

Literatur

  • Alexander Magoun: Television: The Life Story of a Technology

Quellen